Wie wir den Wettstreit mit China verloren haben

Bei der Wahl des Produktionsstandortes geht es nicht mehr nur um niedrige Personalkosten. Wie die wiederkehrenden Diskussionen um Entgelte und Arbeitszeiten in Deutschland suggerieren.

Es geht um Gesamtkosten. Infrastruktur, Ausbildungskosten, Bürokratiekosten, Wartezeiten oder auch Hürden für die Investition in neue Technologien (Maschinen).

Und um Prozesswissen, das nur in Köpfen befindliche oder in Gesprächen weiterentwickelte bzw. weitergegebene Wissen, wie etwas zu produzieren ist. Das ist der Schlüssel, um gute Ideen überhaupt zur Produktionsreife zu bringen, die Stückzahlen schnell zu erhöhen, im laufenden Betrieb dazuzulernen und immer wieder Verbesserungen vorzunehmen. Am schnellsten gedeiht es in lokalen überbetrieblichen Ökosystemen aus Wettbewerbern, Ihren Zulieferern, Start-ups, Forschungseinrichtungen und Ausbildungseinheiten.

Das Prozesswissen haben wir in den vergangenen zwanzig Jahren mit jeder verlagerten oder geschlossenen Fabrik ein Stück weit aufgegeben. Während es in anderen Ländern übernommen und ausgebaut wurde.* So, dass uns China heute in allen oben genannten Punkten überlegen ist. Insbesondere dort, wo Märkte interessant (weil groß) sind. Und wo Produkte Elektronik enthalten. Wie beispielsweise im Auto, bei Haushaltshelfern, Wärmepumpen/Klimaanlagen, humanoiden Robotern oder Drohnen. Sie beherrschen quasi diesen Kernprozess aller wichtigen und zukunftsträchtigen Produkte am besten (neulich habe ich eine neue Gartenpumpe erworben, die im Vergleich zum Vorgängermodell erstaunlicherweise über einen eingebauten Computer verfügt und mich in 29 Spachen begrüßt hat).

Und obendrein haben die Elektronik-Auftragsfertiger mit dem attraktivsten und komplexesten aller Produkte, dem Smartphone (über 1 Mrd. Stück pro Jahr, zum Vergleich: Im Jahr werden weltweit 90 Mio. Autos produziert und verkauft), gelernt, global höchsten Qualitätsanforderungen gerecht zu werden. Allein Apple hat in den vergangenen 20 Jahren 28 Mio. chinesische Mitarbeiter im Hinblick auf Produktionsexzellenz und Qualität geschult (gedrillt?). Das sind etwa 5% der gesamten aktiven Industriearbeiterschaft einschließlich der Rentenaustritte in diesem Zeitraum.

Ermöglicht hat das eine chinesische Politik, die erkannt hat, dass „die Realwirtschaft … die Basis für alles [ist]. Also dürfen wir niemals deindustrialisieren.“ Zitat von Präsident Xi.

Das Buch „China auf der Überholspur“ von Dan Wang liefert im Kapitel 3 eine erweiterte Zusammenfassung auf 37 Seiten. Und darüber hinaus auch einige Gedanken, die Hoffnung machen. 

*erstmals wurde mir das 2024 beim Besuch eines Automobilzulieferers bewusst, der verkündete, dass er weltweit knapp 30 Fabriken betreibe, aber keine mehr davon in Deutschland.

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